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Maulid
von Frank Abdullah Bubenheim
Zweifellos
ist es gut und erwünscht, die Leute bei jeder sich bietenden
Gelegenheit an unseren Propheten Muhammad - Allah segne ihn und
gebe ihm Heil - zu erinnern. Wirklichen Nutzen davon hat allerdings
nur derjenige, den diese Erinnerung dazu bringt, dem Vorbild von
Allahs Gesandtem - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - zu folgen,
d.h., diejenigen von des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm
Heil - Eigenschaften, Charakterzügen und Handlungen, die für
ihn anwendbar sind, in die Tat umzusetzen. Dazu aber ist die Erinnerung
die Geschichte von Muhammads - Allah segne ihn und gebe ihm Heil
- Geburt am wenigsten geeignet. Es wäre daher vorteilhafter,
den Leuten bei solchen Gelegenheiten andere Teile aus seiner - Allah
segne ihn und gebe ihm Heil - Sîra vorzutragen. Scheich Hassan
Ayyub beklagte sich einmal darüber, daß die heutige muslimische
Jugend kaum etwas z.B. über die Kriegszüge unseres Propheten
Muhammad - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - wisse. Viele Leute
- nicht nur im Islam, sondern auch in anderen Religionen - hegen
Liebe zu ihrem jeweiligen Religionsstifter, sind aber zu faul, zu
träge und zu willensschwach, um sich zu überwinden und
selbst etwas zu leisten. Daher meinen sie, es würde ihnen etwas
nützen, wenn andere für sie beten, bzw. Bittgebete für
sie sprechen, und suchen den Segen von sog. Heiligen durch deren
Nähe. Die Teilnahme an Maulids verführt viele dazu, zu
meinen, sie hätten allein schon durch das Anhören der
Reden, der Gedichte und Gesänge eine gute Tat und religiöse
Leistung vollbracht. Die Jahrhunderte, die seit Suyuti vergangen
sind, geben seiner Meinung nicht recht; in manchen Ländern
ist das Gedenken an des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm
Heil - Geburt zu Auswüchsen mit karnevalsartigen Umzügen
heruntergekommen. Die zur Schau gestellte Begeisterung und Liebe
zum Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - mag sie auch
spontan und echt sein - ist bei den Teilnehmern an solchen Maulids
meist rasch wieder verflogen, ohne tiefgreifende Spuren zu hinterlassen.
Gelegenheiten,
daß sich die Muslime treffen und zusammen essen, gibt es auch
andere, und dann sollte man sie auch wahrnehmen und aus ihrem Anlaß
begehen und sie unter ihm bezeichnen und nicht als "Maulid
an-Nabawi" deklarieren, wie das einige Leute tun. Weder Allahs
Gesandter - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - selbst noch seine
Gefährten haben seinen oder ihren jeweiligen Geburtstag gefeiert
oder irgendwie begangen. Als Kalif ´Omar - Allah habe Wohlgefallen
an ihm - den Beginn der islamischen Zeitrechnung festlegte, ließ
er sich nicht auf den Vorschlag ein, das Geburts- oder Todesjahr
des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - zu nehmen, sondern
wählte das Jahr der Auswanderung (Hidschra).
Fragte
man mich nach dem herausragenden Ereignis im Leben unseres Propheten
Muhammad - Allah segne ihn und gebe ihm Heil -, das es verdiente
mit Gedenkfeiern begangen zu werden, so würde ich persönlich
wahrscheinlich seine Entsendung als Prophet, das erste Erscheinen
Dschibrîls (Gabriels) bei ihm und den Beginn der göttlichen
Offenbarung an ihn - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - nennen,
keinesfalls aber seinen Geburtstag. Wenn Scheich al-Qaradawi den
Geburtstag des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - den
"Geburtstag des Islams" nennt, so widerspreche ich ihm
darin, da die Geburt eines Menschen allein - auch wenn sie von Wundern
begleitet sein sollte - nichts Besonderes ist, da jeder Mensch -
außer Âdam - Friede sei auf ihm - geboren wird. Was
den Propheten jedoch von gewöhnlichen Menschen letztlich unterscheidet,
ist die an ihn ergangene göttliche Offenbarung: "Sag:
Gewiß, ich bin ja nur ein menschliches Wesen gleich euch;
mir wird (als Offenbarung) eingegeben" (Qur'ân, Sûra
18 al-Kahf 110). Der eigentliche "Geburtstag" des Islams
wäre somit das genannte Ereignis der Berufung Muhammads - Allah
segne ihn und gebe ihm Heil - zum Propheten und Gottesgesandten.
Weiterhin
ist das genaue Geburtsdatum des Propheten - Allah segne ihn und
gebe ihm Heil - gar nicht bekannt, sondern als überliefert
gilt nur, daß es in den ersten Tagen des Monats Rabî´al-auwal
war. Als letzter möglicher Termin wurde der 12. des Monats
angenommen. Später sind viele Regierungen von sog. islamischen
Ländern dazu übergegangen, den 12. Rabî´al-auwal
zum offiziellen Feiertag zu machen und dadurch die Masse der Muslime
in ihrer Bid´a zu bestärken.
Aus
all diesen Gründen halte ich das Maulid an-Nabawi nicht für
eine lobenswerte Neuerung (Bid´a), obwohl ich andererseits
eine Teilnahme daran auch nicht für verwerflich halte.
´Ammân,
den 10. Rabî´ al-auwal 1426 = 19.04.2005
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