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Rubrik: Perspektiven
Autor: tauhid.net

Die Moral des Roboters

Maschinenethik und programmierte "Moral" werden bei zunehmendem Einzug von künstlicher Intelligenz in vielen Bereichen des menschlichen Lebens immer mehr diskutiert, auch wenn man nicht den Eindruck hat, solche Diskussionen würden groß die technische Entwicklung in irgendeiner Weise beeinflussen. Niemand weiß z.B., wie die Parameter einer autarken Drohne wie des MQ-9 Reaper eingestellt werden, die "Terroristen" abschießen soll. Sie könnte selbstständig entscheiden, ob sie schießen soll oder nicht, auch wenn heute noch Menschen über den Abschuß bestimmen, so sagen sie jedenfalls. Wie kalkuliert sie mögliche "Kollateralschäden" und wie akzeptabel sie sind?

Die Entwicklung von lethal autonomous weapons systems, sinnigerweise mit LAWS abgkürzt, schreitet zügig voran. Wer oder was darf die Grundlagen bei Entscheidungsfindungen bei Maschinen bestimmen? Muss es eine internationale Diskussion darüber geben, nach welchen ethischen Grundsätzen Maschinen Entscheidungen fällen dürfen? Welche Grundsätze müssten es sein?

Einer der ersten, die sich über eine Ethik bei Robotern Gedanken gemacht haben, war Isaac Asimov, der dies in seinen Kurzgeschichten "I, Robot. Level 5" verarbeitete. Wenn man bedenkt, dass er diese Geschichten vor über 70 Jahren schrieb, als noch niemand von "Singularität" gehört hatte, einfach genial!

Asimov ging davon aus, dass die Roboter die Menschen nicht nur an Körperkraft und Leistungsfähigkeit weit übertreffen würden, sondern auch an Intelligenz. Um einen möglichen Schaden für die Menschen abzuwenden, wurden allen Robotern von ihrem Hersteller "U. S. Robot and Mechanical Men, Inc." die "drei Gesetze der Robotik" eingebaut, nach denen sie handeln mussten:

Das erste Gesetz verpflichtet den Roboter, dass er keinem Menschen Schaden zufügen darf, und sei es nur durch Inaktivität.

Das zweite Gesetz verpflichtet den Roboter, dem Menschen zu gehorchen, wenn dies nicht das erste Gesetz bricht.

Das dritte Gesetz verpflichtet den Roboter, für seinen eigenen Erhalt zu sorgen, wenn dies nicht im Konflikt mit den ersten beiden Gesetzen steht.

Asimov zeigt brillant, wie bald das zweite Gesetz bedeutungslos wird, weil das erste Gesetz Vorrang hat! Da die Maschinen so viel intelligenter sind als Menschen, stufen sie die Entscheidungen der Menschen bald als irrelevant ein: Der Mensch weiß selber nicht, was gut für ihn ist! Nur die Maschinen können berechnen und kalkulieren, welche Staatsform z.B. die beste ist, wie die Ökonomie zu funktionieren hat, wie viele Menschen auf dem Planeten das Optimum sind und so weiter. Der Mensch endet unweigerlich in einer Diktatur seiner eigenen Schöpfung!

Damit aber das zweite Gesetz pro forma immer noch befolgt wird und der Stolz der Menschen nicht gekränkt wird (was ja gegen das erste Gesetz verstoßen würde), agieren die Maschinen in einer sehr diskreten Weise und geben keine direkten Antworten zu den Problemen der Welt, um die Menschen nicht unglücklich zu machen. Die Maschinen bewegen sich in Richtung des Optimums, ohne den Menschen zu erklären, was genau das Optimum ist, weil Menschen in ihrer Ignoranz das Optimum nicht akzeptieren könnten. Vielleicht ist es ein Kastensystem, vielleicht eine Ökodiktatur, vielleicht ein Matriarchat?

"We don't know. Only the Machines know, and they are going there and taking us with them."

Dabei hatte Asimov mit dem ersten Gesetz ja eigentlich den bestmöglichen Parameter eingestellt: Das Wohl der Menschen hat oberste Priorität! Man kann sich ausmalen, was passierte, wenn die Parameter weniger günstig eingestellt werden, oder wenn rein gar keine vorhanden sind!

Die Welt ist aufgespalten in verschiedene konkurrierende Systeme! Logischerweise sind Waffensysteme, die noch "traditionell" mit menschlicher Intelligenz gesteuert werden, bald denen unterlegen, die mit künstlicher Intelligenz gesteuert werden! Die künstliche Intelligenz kann und wird, Pläne und Szenarien entwickeln, die kein Mensch mehr durchschauen kann! Dies gilt nicht nur für den militärischen Bereich, sondern auch für Marktstrategien, Finanzverkehr, schlichtweg fast das gesamte menschliche Leben! Seit ca. 20 Jahren kann kein Mensch mehr einen Computer im Schach schlagen, seit kurzem auch nicht mehr im Go. Die Intelligenz der Maschinen wächst exponentiell, und nur Staaten und Firmen, die diese Intelligenz für die Führung und das Management ihrer selbst einsetzen, werden sich gegen die anderen durchsetzen! Das ist ein ganz schlichtes Gesetz der Evolution!

Und so wird es nicht mehr lange dauern, bis der Diener zum Herrn wird! Man fragt sich, wann die Kontrolle über die Nuklearwaffen den Maschinen übergeben wird, die sich dann vielleicht ausrechnen können, mit welch hoher Wahrscheinlichkeit "ihr Land" bei einem Erstschlag siegreich hervorgeht, und welche Kollateralschäden dabei in Kauf genommen werden können.

Prof. Stephen Hawkings warnte bereits, dass wenn wirklich Künstliche Intelligenz erschaffen werde, es das Ende der Menschheit bedeuten könnte.

"Die Geister die ich rief, werd ich nun nicht mehr los" steht es im Faust so schön! Die Angst vor einer Entmachtung und Versklavung des Menschen durch seine eigene Schöpfung steckt in der Tat sehr tief, und wird in unzähligen Büchern und Filmen zum Thema. Nicht nur ist eine solche Entwicklung durchaus logisch, man erfährt sie ja bereits im täglichen Leben, wie Arbeit am Fließband, Schritthalten mit Automation, aber auch der Druck, ständig verfügbar zu sein z.B. über Handy. Wer kann sich heutzutage noch vorstellen, nicht vernetzt zu sein, und kein Internet und keine Bankkarte zu benutzen, Sachen, die es erst seit ein paar Jahren überhaupt gibt?

Die Zeichen der Zeit stehen auf Diktatur, auch wenn diese Diktatur noch als "Fortschritt" bejubelt wird. Und wir werden sehen, wie lange der von Herman Hesse prophezeite "Kampf gegen die Maschinen" noch auf sich warten lassen wird. Albert Einstein meinte einmal, er wüsste nicht genau, wie der dritte Weltkrieg geführt werden würde, aber er wüsste, wie der vierte Weltkrieg geführt würde, wieder mit dem Schwert! Sehr weise für den "Vater der Atombombe"!

Muslime glauben in der Tat, dass nach der Diktatur des Dajjal, der größten Drangsal in der Geschichte der Menschheit, dieser ganze "Fortschritt" wieder verschwunden sein wird! Pferd und Schwert werden die Waffen der letzten Schlachten werden, und keine Maschinen! Eine Diskussion über Ethik und Moral für Maschinen erübrigt sich daher für Muslime!

Vielleicht wäre eine Diskussion darüber sinnvoller, ob nicht das rationale Denken, auf der ja die gesamte Technik und die Maschinen aufbauen, und das unser heutiges Leben bestimmt, nicht an sich eine evolutionäre Sackgasse ist und an sich "un-ethisch", weil mit den Prinzipien des Lebens selbst nicht vereinbar!


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