Das Leben im Grab
von
Ahmad Sakr
Die
Seele eines jeden Menschen verlässt seinen Körper im Augenblick
des Todes. Jeder muss ins Grab gehen, bevor er in die Hölle
oder ins Paradies gelangt (ausser dem Märtyrer; Anm.). So wie
jeder im Körper seiner Mutter sein muss, bevor er auf die Erde
kommt, genauso wird er dieses Leben verlassen, um ein neues Leben
im Grab aufzunehmen. Der Qur'an informiert die Menschen eindeutig,
dass sie aus Erde erschaffen wurden und dass sie dahin zurückgebracht
und dann wieder aus ihr hervorgebracht werden am Tag der Auferstehung.
In
Sure Ta Ha sagt Allah (s.w.t.) das folgende:
"Aus
ihr (der Erde) haben Wir euch erschaffen, und in sie bringen Wir
euch zurück, und aus ihr bringen Wir euch ein andermal heraus."
(Qur'an 20:55)
Sobald
die Seele den Körper verlässt, wird sie über dem
Körper bleiben, bis er ins Grab gebracht wird (1). Die Seele
wird über dem dahingeschiedenen Körper sein, sei es im
Krankenhaus, in der Leichenhalle, in der Urne oder im Auto während
einer Begräbnisprozession. Die Seele hört und sieht, aber
sie kann nicht mit den Lebenden kommunizieren.
Wenn
der Körper ins Grab gelegt wird, ist es zu empfehlen Dua
zu lesen und die Verbundenheit des Dahingeschiedenen zu Allah auszudrücken
(2). Das bedeutet, dass jemand zum Dahingeschiedenen sprechen und
ihn ermutigen soll. Er (der Tote) wird darüber informiert (was
geschieht) und daran erinnert, das Glaubensbekenntnis zu sagen oder
was er (später) sagen soll, wenn die zwei Engel ins Grab kommen,
um ihn zu befragen.
Die
Seele geht in ihren "Aufbewahrungsort", dies ist der Isthmus
(Barzakh) (3). Jedoch muss erwähnt werden, dass die Seele vom
Isthmus zurück zum Körper ins Grab geht. Das bedeutet,
es gibt ein Leben im Grab. Dieses Leben ist ein Leben der Belohnung
oder Bestrafung. Ein jeder wird von zwei Engeln befragt werden,
deren Namen Munkar und Nakir sind. Die Menschen werden von diesen
beiden Engeln befragt. Unter den zahlreichen Fragen werden auch
die Fragen über den Glauben, die Absichten, die Taten, die
Handlungen, Gott, die Religion, den Propheten usw. sein.
Das
Leben im Grab ist ein seltsames Leben. Im dem Augenblick, wo der
Körper hineinplaziert wird, hört der Tote die Schritte
der Menschen, die ihn verlassen. Nachdem die zwei Engel ihn befragt
haben, werden sie sein Gesicht nach rechts wenden, falls er belohnt
wird. Sie werden ihn den Platz im Paradies zeigen. Im Gegensatz
dazu wird bei denjenigen, die bestraft werden, das Gesicht nach
links ausgerichtet.
Während
der Zeit im Grab besucht die Seele den dahingeschiedenen Körper,
welcher belohnt oder bestraft wird. Eines Tages besuchte der Prophet
(s.a.w.) einen Friedhof und hörte die Personen, die in ihren
Gräbern bestraft wurden. Einer wurde bestraft, weil er Gerüchte
verbreitete, ein Anderer wurde bestraft, weil er seinen Körper
nicht von Unreinheiten reinigte und eine andere Person wurde bestraft,
weil sie sah, dass jemand Ungerechtigkeiten ausgesetzt war und sie
nichts dagegen getan hat.
Diejenigen,
die in dieser Welt gut sind, werden in ihren Gräbern belohnt.
Ihnen wird von Allah (s.w.t.) versichert, dass ihnen Stärke
und Glückseligkeit, sowohl im Grab, als auch im Jenseits gegeben
wird. Es sollte erwähnt werden, dass niemand hören kann,
was in den Gräbern geschieht. Der Qur'an erwähnt diese
Tatsache, dass niemand hören kann was in den Gräbern passiert,
außer Allah (s.w.t.). Es liegt nicht an der Sprache, sondern
an der Art und Weise wie sich die Engel mit den Seelen der Einzelnen
unterhalten.
In
Sure Fatir sagt Allah folgendes:
"Und
es sind nicht die Lebenden gleich und nicht die Verstorbenen, Allah
lässt ja hören, wen Er will, und es ist nicht an dir,
diejenigen hören zu lassen, die in den Gräbern sind."
(Qur'an 35:22)
Allah
will nicht, dass wir hören was in den Gräbern passiert,
ansonsten wäre niemand bereit seine Liebsten zu beerdigen.
Jedoch hat es Allah den Tieren, den Vögeln und dem anderen
Vieh erlaubt zu hören, was in den Gräbern geschieht. Auch
die Verstorbenen, die daneben liegen, hören, was um sie herum
passiert. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, dass Muslime in einem
muslimischen Friedhof beerdigt werden. Wenn ein Muslim als Märtyrer
stirbt, dann erhalten auch die (toten) Nachbarn einige Segnungen.
In
anderen Begebenheiten hat der Prophet (s.a.w.) seine Gefährten
darüber informiert, dass die Bestrafung im Grab folgende (Gruppen)
treffen wird: die, die ihre Eltern schlecht behandeln; die tyrannischen
Diktatoren; die, welche nicht das Pflichtgebet verichten; die, die
nicht Zakat zahlen; diejenigen, welche nicht zur Hadsch gehen (4);
diejenigen, die betrogen, gestohlen, gelogen haben usw. All das
bedeutet, dass es ein (zeitlich) begrenztes Leben von Belohnung
oder Strafe gibt, bevor das wirkliche Leben folgt, d.h. das Leben
im Jenseits.
Anmerkungen des Übersetzers Abu Bakr Stark:
Die
in Klammern geschriebenen Satzteile sind Ergänzungen des Übersetzers
zum besseren Verständnis und zur besseren Lesbarkeit.
Fussnoten:
1)
In anderen authentischen Überlieferungen wird berichtet, dass
die Seele des Gläubigen bis zum 7. Himmel aufsteigt und dabei
von Engeln begleitet wird. Ein schöner Geruch umhüllt
die Seele des Gläubigen. Die Seele eines schlechten Menschen
wird widerlichen Geruch ausströmen und die Tore des Himmels
sind geschlossen für sie. Sowohl die Seele des Gläubigen,
als auch die Seele des Ungläubigen kehrt dann ins Grab zurück
und wartet auf die Befragung (siehe bspw. Albani Sahih al Jami'
Nr. 1968)
2)
Zum Beispiel ihn ermutigen die Shahada auszusprechen und zu betonen,
dass dieses Glaubensbekenntnis ein "Lebensmotto" des Gläubigen
war, nachdem er sein Leben ausgerichtet hat.
3)
Allah (s.w.t.) sagt im Qur'an: "Bis, wenn zu einem von ihnen
das Sterben kommt, er sagt: 'Mein Herr, schicke mich zurück.
Damit ich vielleicht Rechtschaffenes tue mit dem, was ich zurückgelassen
habe.' Keineswegs! Das ist eine Redensart, die er sagt, und hinter
ihnen ist eine Barriere (Barzakh) bis zum Tag, wenn sie auferweckt
werden"(Sure 23:99-100). Barzakh ist demnach so eine Art "Barriere",
welche die Lebenden und die Toten trennt. Ahmad Sakr verwendet das
Wort "Isthmus", was eigentlich im geographischen Sinn
eine "Landenge" ist, sozusagen zwischen dieser Welt und
dem Paradies, bzw. Hölle.
4)
Obwohl sie in der Lage dazu waren.
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