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Sumatra
In
Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.
Allah ist das Licht der Himmel und der Erde.
Das Gleichnis Seines Lichtes ist eine Nische, in der eine Lampe
ist.
Die Lampe ist in einem Glas. Das Glas ist wie ein scheinender Stern.
Diese Lampe ist von einem gesegnetem Baum, eines Olivenbaumes
weder des Westens noch des Ostens, dessen Öl von selber scheinen
würde,
obwohl kein Feuer es berührt.
Licht über Licht.
Allah leitet zu Seinem Licht wen Er will.
Koran, An-Nur 35
Riau
Archipel. Das Holzboot bringt mich auf die Insel Penyengat,
auf der einst die Hauptstadt eines kleinen Königreiches lag.
Die Kuppeln einer alten Moschee ragen zwischen den Palmen hervor,
und Fischerboote schaukeln auf dem türkisen Wasser. Kleine
asphaltierte Wege führen kreuz und quer über die Insel,
die mir wie ein natürlicher Garten erscheint, und ich frage
mich durch zum Maqam von Naqsbandi-Scheich Habib. Sieben Gräber
berühmter Scheichs befinden sich auf der Insel, aber nur wenige
Bewohner erinnern sich noch an die verschiedenen Tariqats.
Vor der Moschee wird am Abend ein Essen aufgetragen und ich dazu
eingeladen. Aber man hat Angst vor der Polizei und will keinen Ausländer
für die Nacht beherbergen. Man gibt vor, man habe keinen Platz
oder es sei zu unbequem für mich. Schließlich erbarmt
sich doch jemand, selbst ein Fremder auf der Insel. In seinem Häuschen,
das auf Pfählen im Meer steht, hängt an einer Wand ein
Poster von Scheich Abdul Kadir Jalaani, verziert mit Gebeten und
Dhikrformeln1.
Duri. Mit einer schnellen Bewegung schneidet Akmal dem schwarzen Hahn
die Kehle durch, und der fleucht noch zwei Minuten flügelschlagend
und blutverspritzend durch die Gegend, bis er sich schließlich
in einem letzten Zucken ergibt. Akmal zieht ihm das Federkleid aus
und bemerkt eine Krankheit im Kniegelenk des Hahns und einen Wurm
im Auge. Er fragt mich, ob ich Probleme mit den Augen oder den Knien
habe, und als ich verneine, ist er beruhigt und meint, dann mache
es nichts. Er schält die Eingeweide heraus und säubert
sie gründlich. Ich gucke unbeteiligt zu und denke mir nichts
Schlimmes dabei. Der Hahn wird in einer Kokosnusssoße gekocht
und in der Nacht mit Reis serviert. Akmal spricht nun über
dem Hähnchen Gebete, während er es kreisförmig vor
sich herschwenkt und in den Qualm von Weihrauch hält. Das gleiche
macht er mit einem Teller mit sieben verschiedenen Gebäcken,
einem Glas Wasser und einer Schale, die mit Blüten und Nadeln
gefüllt ist. Er füllt einen Teller mit Reis und den Eingeweiden,
und fordert mich auf, alles aufzuessen, es dürfe nichts übrigbleiben.
Ich mache ein blödes Gesicht, und die Anwesenden, die sich
auf die Keulen und das Brustfleisch stürzen, fangen an zu kichern.
Ich überwinde mich, lege los und stopfe die Blase, das Gedärm
und sonstige appetitanregende Organe in mich hinein, werde dann
aber mit den Küchlein und dem Glas Wasser belohnt.
Akmal nickt zufrieden und sagt, jemand, dessen Herz schmutzig sei,
könne die Sachen nicht essen und übergebe sich. Er fasst
mit seiner rechten Hand in die Schale mit den Blüten und presst
sie fest zusammen. Fünf Nadeln stecken in seiner Hand als er
sie wieder öffnet. Ich soll mir einer der Blüten aussuchen,
und ich wähle eine rote mit geraden Blütenständen.
Wieder nickt Akmal zufrieden und meint, er kenne jetzt mein Geheimnis.
Unter anderem sei ich mutig. Wir gehen in ein Nebenzimmer, wo wir
ungestört sind, und ich muss bestimmte Gebetsformeln aufsagen,
außerdem die Kette der Scheichs, über die die Kunst des
"Budi-Suci", der "Reinen Einsicht", überliefert
wurde: Scheich2 Subandari, Scheich Madi, Scheich Quari, Scheich Abdul
Kadir Jalaani, Scheich Sharif Hidayatullah. Auf dem Vorplatz der
Moschee probe ich die zehn Kampftechniken, mit denen ich nun nach
meiner Einweihung angreifende Gegner abblocken oder kampfunfähig
machen können soll. Ich soll nun ein Medium für die Kraft
Allahs geworden sein, die ich zum Kampf, aber auch zur Heilung anwenden
können soll. Ich soll unverwundbar geworden sein!
Von den zehn Techniken des Budi-Suci dienen drei als Block: angreifende
Gegner rennen gegen eine unsichtbare Mauer. Mit den anderen Techniken
schleudert man die Gegner durch den Raum, ohne sie selbst zu berühren,
oder bricht ihre Arme und Beine. Zwei der Stellungen sind tödlich
und nur beim Kampf mit Nichtmuslimen einzusetzen. Die Energie wird
auf die Kehle des Gegners gelenkt oder zerfetzt seine Eingeweide.
Theoretisch! Ganz daran glauben kann ich noch nicht, denn eigentlich
soll ich nun auch mit Händen heilen können, aber es zeitigt
nur sehr mäßige Wirkung, als ich es bei eigenen Kopfschmerzen
einmal ausprobiere. Doch noch habe ich nicht das anschließende
Dhikr1 durchgeführt, das mich näher zu Gott, näher
zur Quelle der Kraft führen soll. Das erste und wichtigste
Dhikr nach der Einweihung umfasst 40 Nächte, aber danach kommen
noch unzählige andere, und der Grad des Muriden3 bemisst sich
daran, wie weit er mit seinem Dhikr fortgeschritten ist.
Bukittinggi.
Der Lehrer heißt Damsir und hat große, seltsame, aber
warme Augen. Er zeigt mir Fotos, wie er in Singapur mit einem Australier
Glasscherben verspeist. Auch
in siedendes Öl soll man nach einer Einweihung in Budi-Suci
und entsprechendem Gebet problemlos greifen können. Ich sehe
Fotos von Damsirs Schülern, die gerade den Kampf trainieren.
Ein Foto ist besonders gelungen. Es zeigt, wie ein etwa zehn Zentimeter
dicker Balken auf einem Jungen entzweigeschlagen wird, ohne den
Jungen auch nur im geringsten zu verletzen. Beeindruckt frage ich,
wie ich herausfinden könne, inwieweit ich schon selber Unverwundbarkeit
erlangt habe, und erfahre, dass man die Kraft anderen Geschöpfen
für zwei bis drei Stunden übertragen kann. Ich könne
die Kraft z.B. einem Hahn übertragen und diesen dann mit einem
anderen kämpfen lassen. Je weiter ich fortgeschritten sei,
desto weniger Verletzung trage mein Hahn davon. Selbst einer Pflanze
könne ich die Kraft übertragen. Oder ein Glas Wasser besprechen
und es als Medizin verabreichen.
Dumai.
Als ich aus der Bank trete, steht er wie aus dem Boden gewachsen
plötzlich vor mir und schüttelt mir die Hand mit dem geheimen
Zeichen der Eingeweihten. Mir unerklärlich, wie er mich gefunden
hat. Haryono ist auch Lehrer für Budi-Suci, außerdem
für Pencak-Silat, dem traditionellen indonesischen Kampfsport.
Ich erkläre ihm, als wir auf seinem altersschwachen Moped sein
Haus erreicht haben, dass mich jedoch in erster Linie der medizinische
Aspekt von Budi-Suci interessiere. Ich hätte aber schon einen
Lehrer in Duri, ob das ein Problem sei.
"Behalte deinen Lehrer und nimm mich als Freund, der dir ein
paar Ratschläge gibt", schlägt er mir vor und hält
seine Hand in kurzem Abstand über meinen Arm. Nach drei Sekunden
spüre ich es, seine Hand wirkt wie ein Magnet. Dann erklärt
er mir, wie ich selber zwischen meinen Händen ein solches Magnetfeld
aufbauen kann, eine Vorübung zum Heilen mit Händen. Und
tatsächlich klappt es auf Anhieb. Doch noch ist die Wirkung
schwach, mein Dhikr, das gleichzeitig im Herzen vollzogen werden
muss, zu unkonzentriert. Haryono ballt die rechte Hand zu einer
Faust, umschließt das Handgelenk fest mit der linken, und
öffnet dann die Faust und anschließend das Handgelenk.
Als ich es ihm nachahme, spüre ich das angestaute Blut in die
Fingerspitzen schießen.
"Du kannst heilen, wenn du dieses Gefühl aus deinem Inneren
heraus erzeugen kannst", sagt er und zählt noch einige
Dinge auf, die man im fortgeschrittenen Stadium mit Budi-Suci erreichen
könne: Die Ankunft einer Person schon drei Tage im voraus erahnen;
die Angriffsabsicht oder Gesinnung eines Menschen erkennen; verlorene
Gegenstände wiederfinden; oder auch die Reise in Gedanken (auf
astraler Ebene?) zu jedem beliebigen Platz der Welt. Er erläutert
den Sinn der arabischen Buchstaben am Anfang vieler Suren: mystische
Schlüssel! Mit Khaf, Ha, Ya, Ain, Shod werde das Haus im Herzen
aufgeschlossen, in dem das Selbst seinen Sitz habe.
Payakumbuh.
Meine Frau will einen Schutz vor schwarzer Magie. In Duri, wo wir
uns kennen lernten und offiziell geheiratet haben, hatte sie öfters
Hassgefühle mir gegenüber und konnte mich nicht mehr ansehen,
hatte einen schwindelnden Kopf und starke irrationale Zweifel, ob
die Hochzeit eine gute Sache sei. Viele Leute dort waren eifersüchtig
und wollten sie nach ihrer Ansicht von der Hochzeit abhalten.
Schwarze Magie ist in Indonesien weit verbreitet. Aber ich habe
Probleme damit zu erkennen, was jetzt wieder mal so eine Legende
ist und was wirklich stimmt. Die Grenze von Fiktion und Wirklichkeit
ist eine fließende in diesem Land. Im Vulkan Sago in der Nähe
von Payakumbuh soll ein Drache hausen, der mit Felsblöcken
um sich schmeißt, und in einem großen uralten Baum am
Freibad die schönsten weiblichen Dschinnen mit meterlangen
Haaren. An den Drachen glaube ich nicht, aber an die schönen
Dschinnen mit den langen Haaren möchte ich schon gerne glauben,
und dass sie meine Frau behext haben...wer weiß? Denn wer
könnte schon so einen lieben Kerl wie mich hassen, zumal wenn
man ihn heiraten will? Also, warum nicht mal zu diesem Addy gehen,
den mein Schwager mir empfohlen hat, und der nun auf einem Stück
Stoff eine Art Kompass mit Namen Allahs aufzeichnet und ihn in eine
Zitrone steckt. Dann sticht er Nägel in die Frucht und verschnürt
in einem bestimmten Muster mit Garn. Anschließend betet er
über ihr und macht die ganze Prozedur mit einer weiteren Zitrone.
Er erklärt meiner Frau, wie sie die Zitronen neben ihrem Haus
einzugraben hat und in welche Himmelsrichtung sie sie ausrichten
muss. Und wirklich, ob es nun an meinem unwiderstehlichen Charme
liegt oder an Addys Zitronen, alle Zweifel und miesen Gefühle
sind wie weggeblasen!
Sei
Kamuyang Timur. Mich beißt der Affe! Mit hocherhobenen
Armen , die länger als seine Beine sind, springt er mir entgegen
und beißt mir in den Mittelfinger. Obwohl ich ihm vorher eine
Frucht spendiert habe, die er sich auch sofort gierig gegrabscht
hat! Es blutet ein wenig, doch hat er zum Glück nicht mit seinen
langen Hauern zugebissen, sondern bloß mit seinen Schneidezähnen,
die er sonst zum Schalenknacken benutzt. Erst später wird mir
klar, was das bedeutet: Ich habe die Hühnergedärme umsonst
genascht. Von wegen unverwundbar!
Payakumbuh.
Der Polizist will wissen, wo sich der entflohene Sträfling
aufhält. Er hat zwei rohe Eier mitgebracht, von denen Addy
nun eins in die Hand nimmt und über ihm zu beten anfängt.
Dann schlägt er es auf und lässt es in einen Teller fließen.
"Er ist nach Batu Sangkar aufgebrochen und noch dort in der
Nähe", meint Addy, als er das Eigelb mit einem Löffel
untersucht hat. Der Polizist macht ein zufriedenes Gesicht und verabschiedet
sich, während ich noch gebannt auf das Eigelb blicke und mich
frage, was es dort zu erspähen gibt. Für mich sieht es
einfach nur gelb aus. Aber Addy kann anscheinend auch aus Eiern
lesen, ob eine Frau schon schwanger ist, oder wo die Diebe mit dem
geklauten Moped hineilen. Er soll auch Exorzist sein, und behandelt
fast alle Krankheiten, indem er Blätter, Früchte oder
sonstiges bespricht. Er nimmt kein Geld dafür und überlässt
es den Leuten selbst, ob und wie sie ihn für seine Arbeit belohnen.
Er meint, sein Wissen sein von Allah, das er nicht verkaufen dürfe.
Und Allah sei es ja auch, der heile, er selbst sei nur der Mittler.
Batang
Tabit. Die Hochzeitsfeier findet zehn Tage nach offizieller
Heirat statt. Hier auf West-Sumatra leben die Minangkabau, bei denen
trotz Islam ein matrilineares Gesellschaftssystem herrscht. Der
Adat ist der traditionelle Verhaltenskodex, der von Dorf zu Dorf
verschieden sein kann, und der das Leben oft bis in kleinste Details
regelt. Manchmal kommt es bereits zum Gerede, wenn man eine Banane
falsch öffnet und adat-gerecht verspeist. Der Adat schreibt
uns also eine bestimmte Hochzeitszeremonie vor, bei der wir prächtige
Kostüme anziehen und stundenlang auf einem Thron hocken müssen,
während die Gäste immer in Gruppen hereingebeten werden,
zu essen bekommen, und uns dann ihre Segenswünsche darbringen.
Meine
Frau hat einen fast vier Kilo schweren Blechschmuck auf dem Kopf,
so dass ich öfters mit meiner Hand ihren Nacken stützen
muss. Dreimal müssen wir die Sitzung jedoch unterbrechen, weil
es meiner Frau durch den Schmuck schlecht wird und sich übergibt.
Kreidebleich liegt sie auf dem Bett, während die Verwandschaft
nervös wird und sie zum Aufstehen überreden will. Mir
geht jetzt langsam der Hut hoch, und ich will die Show beenden,
was Panik bei meinen Schwiegereltern auslöst. Nein, das gehe
auf keinen Fall! Die Leute erwarteten das, und wären wütend,
wenn wir nicht adat-gerecht zelebrierten! Auch meine Frau rappelt
sich mühsam wieder hoch und macht frohe Miene zum bösen
Spiel. Also füge ich mich und halte lieber meinen Mund. Immerhin
gibt es zum Schluss der Feier einen Berg von Päckchen, denn
jeder hat brav adat-gerecht ein Geschenk mitgebracht. Ich bin nur
leicht enttäuscht, als ich entdecke, dass es sich fast ausschließlich
um Hausrat handelt. So viele Gläser, die werde ich ja in meinem
ganzen Leben nicht zerdeppern! Aber, fällt mir ein, da habe
ich ja schon ein feines Mitbringsel, falls ich selber mal eingeladen
werde!
Payakumbuh.
In der Nacht sitzen wir über dem Koran gebeugt, und Addy erklärt
eine mystische Bedeutung des Basmallahs4 und des Alifs5. Sun, ein
Chinese und Schüler Addys, liegt etwas abseits und schläft.
Addy wird auf ihn aufmerksam und zeigt mit einem Kopfnicken auf
ihn. Wir schauen herüber und sehen, wie sich Suns Hände
zu Krallen geformt haben und anfangen zu zittern. Auch fängt
er leise an zu stöhnen, und ich schaue Addy fragend an. Der
lächelt und flüstert, Sun übe Tiger-Silat.
Sun erhebt sich langsam, anscheinend ohne dabei zu Bewusstsein zu
kommen, und bewegt nun die Hände, als ob er mit einer unsichtbaren
Energie spielen würde. Ein wenig erinnert es mich an Tai-Chi.
Doch sind die Bewegungen so perfekt und kraftvoll, dass man glauben
könnte, es wäre gar nicht Sun selber, der sie ausführt.
Addy richtet seine geöffnete rechte Hand auf ihn, und Sun wird
langsam ruhiger. Schließlich reibt er sich mit der Hand über
die Augen, so als ob er aus tiefem Traum erwache.
"Du kannst die Kraft eines Tigers annehmen oder die einer Kobra",
sagt Addy, "aber du musst wissen, woher du kommst! Du musst
wissen, wer du wirklich bist! Du musst sterben, bevor du stirbst!
Das ist der Weg zur Gotteserkenntnis!"
Er fragt, welche Symbole es für das Selbst in anderen Religionen
gebe.
"Licht", antworte ich.
"Licht?" er schüttelt den Kopf. "Was noch?"
"Leere!"
"Leere? Nein, Holzweg!"
Mir fallen Attars6 Vogelgespräche ein: "Ein Vogel vielleicht?"
Er flattert mit den Armen: "Ein Vogel also! Nein, falsch! Du
musst wissen, wie Allah dich ganz zu Anfang geschaffen hat!"
"Als Gott Adam die Seele eingehaucht hat?"
"Nein, nicht die Seele, vorher noch!"
"Also, welches ist das Symbol für das Selbst", will
ich wissen.
"Es gibt keins!"
Batang
Tabit. Meine Schwiegermutter ist sehr verärgert, denn mein
Schwiegervater, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, ist schon
seit einiger Zeit zu faul zum beten. Dreimal hatte sie ihn bereits
ermahnt, doch nun ist das Maß voll. Und staunend erfahre ich,
dass Adat und matrilineares System auch ihre positive Seiten haben.
Denn das Haus und die Reisfelder gehören der Frau, der Mann
ist nur zu Gast. Und wenn der sich schlecht benimmt, darf sich eine
andere Hütte suchen! Auch wenn der islamische Grundsatz "Kein
Zwang im Glauben" nicht ganz beherzigt wurde, ab heute betet
Papa wieder regelmäßig!
Sumatra.
Das Öl siedet über der Glut. Si-In fasst mit der flachen
Hand in die Pfanne, reibt sich mit dem Öl ein, fasst erneut
hinein und schmiert mir den Arm ein.
"Nur zu, versuch`s selbst. Keine Angst", macht er mir
Mut.
Und wirklich, das Öl ist heiß, aber weitem nicht
heiß genug, um die Haut zu verbrühen. Addy hat es vorher
besprochen und Allah gebeten, dem Öl die Hitze zu nehmen. Es
ist besonderes Kokosnussöl und riecht angenehm. Bald sehen
wir aus wie fettige Gladiatoren! Nach der äußeren Reinigung
erfolgt eine innere: Es gibt einen Imbiss aus zerstoßenen
undefinierbaren Komponenten, eine grauer süßschmeckender
Brei, der mit weißen Baumwollfasern und einem besonderen Gebet
verspeist wird, sieben kleine Kügelchen.
Nacht herrscht über Sumatra. Auf den Palmenwipfeln glitzert
das Licht des Vollmondes, und ich bekomme noch einmal eine Vorführung
von Silat zu sehen. Ich bekomme zu sehen, wie der Mensch zum Tiger
wird, ein Gefäß göttlichen Willens und göttlicher
Kraft. Hidaya7, Führung Gottes! Jeder einzelne Muskel gehorcht
Gott, der Mensch ist nur noch sein eigener Zuschauer. Bewusst erlebt
er jede seiner Bewegungen, doch ist er zu einem Nichthandelnden
geworden, ein wandelnder Toter! Er sich dieser Welt voll bewusst,
obwohl im Gedenken Gottes versunken!
Fussnoten:
- Dhikr gleicht einem Mantra. Es bedeutet Gedenken, also Gottgedenken. Bestimmte Formeln wie "Es gibt keinen Gott ausser Allah" oder "Gepriesen sei Allah" werden wiederholt, teils leise gesprochen oder auch nur im Herzen. Die Theorie dahinter ist mehr oder weniger, dass jeder Aktion eine Reaktion folgt. Bei bestimmten Tönen bilden sich z.B. Kreise im Sand oder bestimmte Musik lässt uns im Kaufhaus relaxen während andere Musik die Spannung steigen lässt wenn wir z.B. einen Film sehen. Das Lesen des Koran auf Arabisch und das Dhikr zeitigen Reaktionen auf spiritueller Ebene.
- Ein Scheich im Islamischen Sinne ist jemand, der einen hohen Grad an Wissen erreicht hat. In arabischen Laendern kann dies auch ein Titel für einen Stammesführer sein oder jemand mit hohem sozialen Rang. Bei den Sufis, den Islamischen Mystikern, ist ein Scheich soviel wie ein Meister, dem der Schüler (Murid 3) Gehorsam leisten muss.
- Murid: Schüler (arab.)
- Basmallah ist das "Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers", mit dem ein Muslim jede Taetigkeit beginnen sollte, vor allem Koranlesen, Essen, Trinken, Autofahren etc.
- Alif ist der erste Buchstabe des arabischen Alphabetes, also A. Die Besonderheit des Alif besteht dain, dass es allein (und aufrecht) steht.
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